Stroke always remained

Streich war schon als Spieler einer gewesen, der sich immer mit den Umständen arrangieren konnte. Georg Buschner, von 1970 bis 1981 DDR-Auswahltrainer, war in seinen Urteilen zumindest über jene Spieler, die nicht aus "seinem" Jena kamen, oft nicht zimperlich. "Er ist mit jeder Situation zurechtgekommen. Er war ein richtiger Leck-mich-am-Arsch-Typ", hat Buschner über Streich mal gesagt, und das war verdammt anerkennend gemeint.

Streich, der Junge aus Wismar, die Mutter Krankenschwester in der Betriebspoliklinik der Werft, der Vater Kraftfahrer, hat einfach immer aus allem das Beste gemacht. Er wurde nicht wie andere zu einem Klub delegiert, er hat kurzerhand selbst den Weg von der TSG Wismar zum FC Hansa Rostock angetreten, mit 16. Er durfte im Internat wohnen, aber Essensmarken waren nicht inklusive. Die anderen steckten ihm was zu, mit 70 Mark Lehrlingsgeld war nicht viel Staat zu machen.

Hans Meyer hätte ihn gut gebrauchen können - doch Streich zog nach Magdeburg

Als er 1975 - längst Nationalspieler und zu groß geworden für den soeben abgestiegenen FC Hansa - klar war mit Hans Meyer und Carl Zeiss Jena, bestellte ihn Günter Schneider, der Generalsekretär des DDR-Fußballverbandes DFV, nach Berlin ein. Jena? Dort wollten ihn die Funktionäre nicht haben, sie stellten Streich vor die Wahl, mit Hansa in die Zweitklassigkeit zu gehen oder zum DDR-Meister 1. FC Magdeburg zu wechseln. Meyer hatte mit Peter Ducke und Eberhard Vogel Ausnahmekönner im Sturm, beide aber jenseits der 30, diesen Streich, der im Strafraum meist richtig stand und auch noch das Richtige tat, hätte er schon gut gebrauchen können.

Stattdessen bezogen die Streichs eine Vier-Raum-Neubauwohnung in Magdeburg, 5. Stock, Fernheizung. Dass es anders kam als geplant, wurde für beide - Streich und den FCM - zu einem ziemlichen Glück. "Ich hab' den Wechsel nie bereut", sagte Streich, und das darf als Untertreibung durchgehen. Der "Fischkopp" sah in Magdeburg immer Land, auch wenn er mit dem Klub, der vor seiner Ankunft dreimal DDR-Meister und 1974 Europacup-Sieger wurde, nie den Titel holte. Aus Spaß sagte der Stürmer später: "Als ich kam, ging's mit Magdeburg bergab."

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Das Spiel gegen Maradona "vergessen wir mal lieber", schmunzelte Streich

Ging's natürlich nicht wirklich, drei FDGB-Pokalsiege fuhr Streich ein und schlug mit den Blau-Weißen im Europacup legendäre Schlachten, siegreich gegen Schalke (4:2, 3:1 im UEFA-Cup 1977/78), knapp scheiternd an der PSV Eindhoven, Borussia Mönchengladbach oder dem FC Arsenal, und im September 1983 kam der Zirkus in die Stadt: der FC Barcelona, mit Cesar Luis Menotti auf der Bank und den Virtuosen Diego Maradona und Bernd Schuster auf dem Rasen, 1:5. "Das Spiel", sagte Streich schmunzelnd, "vergessen wir mal schnell."

Ein anderes hätte er gerne noch mal gespielt, November 1979, EM-Qualifikation, DDR gegen den Vizeweltmeister Niederlande, 92.000 Zuschauer im Leipziger Zentralstadion, eher mehr, 2:0 nach 33 Minuten, Tore Schnuphase und Streich, das Endrunden-Ticket praktisch griffbereit. Und dann ging's dahin, Rot für Konrad Weise und La Ling, 2:3 am Ende, es war vorbei, tat bis zum Schluss aber immer noch weh, irgendwie.

Streich war 1974 bei der einzigen WM-Teilnahme der DDR erster und letzter Torschütze der Ostdeutschen, gegen Australien und Argentinien, aber später nochmal bei der Krönungsmesse des europäischen oder des Weltfußballs vorzuspielen, blieb ihm und dem Land versagt. Beim politisch überhöhten Kräftemessen gegen die Bundesrepublik ließ ihn Buschner 1974 auf der Bank. Streich war zuvor gegen Chile nach einer Erkältung nicht voll auf der Höhe, Buschner opferte gegen Deutschland West einen Angreifer, Streich. Jürgen Sparwasser, lange Jahre Streichs Bungalow-Nachbar, traf in Hamburg zum 1:0-Endstand und für die Ewigkeit, aber Streich konnte bei allem Ehrgeiz immer auch gönnen.

Die Zigarette ließ sich Streich auch als Spieler nie ausreden

Schaltete auf dem Rasen schneller als die meisten anderen: Joachim Streich (re.). imago images

Sein deutsch-deutsches Duell bestritt er schon 1972, bei Olympia in München, wo er das Attentat der Terroristen auf die israelischen Sportler vom Balkon gegenüber erlebte. Die DDR gewann am Ende Bronze und in der Zwischenrunde gegen die von Jupp Derwall trainierte Olympia-Auswahl der BRD, in der Uli Hoeneß, Ottmar Hitzfeld und Bernd Nickel standen, mit 3:2. Streich traf, natürlich, er traf im Grunde immer. Er bündelte Raffinesse und Robustheit, und sein Instinkt ließ ihn nie im Stich. 55 Tore in 102 Länderspielen, beides DDR-Rekordzahlen, auch seine 229 DDR-Oberliga-Tore (in 378 Spielen) blieben unübertroffen.

Der gelernte Schaltanlagenmonteur schaltete auf dem Rasen schneller als die meisten anderen, er war im Hauptberuf Fußballer und nebenher Genosse und Genießer, die Zigarette ließ er sich auch als Spieler nie ausreden. Als er nach einem UEFA-Cup-Spiel gegen Juventus Bettega, Scirea, Tardelli & Co. mit einem Zigarillo durch die Kabine laufen sah, wusste er, dass ein bisschen Genuss zur rechten Zeit eher kein Hinderungsgrund für Erfolge war.

Im Gegensatz zu anderen Ländern hat man den Fußball in der DDR unterdrückt.

Joachim Streich

Der Fußball war in der DDR beim Volk ein Straßenfeger, aber für die auf Medaillen erpichte Sportführung ein Stiefkind. "Andere Sportarten wurden bevorzugt", sagte Streich. "Im Gegensatz zu anderen Ländern hat man den Fußball in der DDR unterdrückt." Trotzdem dachte er nie an Flucht, auch weil er beizeiten heiratete und Vater einer Tochter wurde. Frau und Kind zurückzulassen, das kam nie in Betracht. Ein einziges Mal rollte das Thema konkret auf den Angreifer zu, 1969, als er im Messecup - dem Vorläufer des UEFA-Cups - mit Hansa bei Panionios Athen spielte und Axel Bergmann und Lothar Hahn, zwei Mitspieler, den 18-jährigen Streich fragten, ob er mitkomme zur bundesdeutschen Botschaft in Athen. Streich sagte Nein, und die anderen beiden gingen auch nicht.

ManCity-Legende Bell sagte: "Die DDR hat zehn Arbeiter und einen Streich"

Sein schönstes Tor schoss - schlenzte - er 1974 gegen England in Leipzig, danach sagte Manchester Citys Mittelfeld-Legende Colin Bell: "Die DDR hat zehn Arbeiter und einen Streich." Ganz fair war das gegenüber den fußballerischen Feingeistern Jürgen Pommerenke und Harald Irmscher nicht, aber gefallen hat der Satz Streich trotzdem. Sein 100. Länderspiel bestritt er auch gegen England, 1984, in Wembley. Peter Shilton, der Kapitän der "Three Lions", drückte ihm vorm Anpfiff einen Silberteller in die Hand, und später beim Bankett machte der vormalige FIFA-Präsident Sir Stanley Rous, hochbetagt, dem Jubilar seine Aufwartung.

Streich, Spitzname "Strich", war wegen seiner Schussstärke und Schlitzohrigkeit im Ausland gefürchtet, daheim drängte ihm mancher Journalist und mancher Funktionär mit großem Ego und kleinem Karo eine Debatte über angeblich fehlende Laufmeter auf. Streich hat dann - auch vor laufenden Kameras, und das hieß etwas - mit dem Verweis auf die von ihm erzielten Tore gekontert. Seine Zahlen sind Monumente, die bleiben, seine lakonische Art hat er sich bewahrt.

1985 durfte er - wie schon 1975 - wieder nicht das tun, wonach ihm der Sinn stand. Streich wollte nach dem Ende als Aktiver in den Nachwuchsbereich des 1. FC Magdeburg: rein in den Trainerberuf, aber raus aus der Öffentlichkeit. Mit dem Klub war alles geklärt, die SED-Bezirksleitung hatte anderes vor. Streich hat ein paarmal Nein gesagt, aber die Funktionäre haben ihm drohend erzählt, wie oft Klaus Sammer, der partout nicht Cheftrainer bei Dynamo Dresden werden wollte, beim DDR-Fußballverband antanzen musste, ehe er schließlich doch zähneknirschend einwilligte.

Bis zum Eintritt ins Rentenalter verkaufte Streich Sportschuhe

Streich hat beim FCM spätere Nationalspieler wie Dirk Schuster, Heiko Bonan und Uwe Rösler geformt, aber nach der Wende merkte er, was ihm als Trainer in der nun angebrochenen Zeit fehlte: eine Lobby und die Fähigkeit zur Selbstvermarktung. "Zu naiv", sagte er im Rückblick, habe er sich 1990/91 bei Eintracht Braunschweig angestellt, "ich hatte keine Hausmacht und viele haben versucht, mir reinzureden". Klüngeldenken und Politik im Hinterstübchen, das wollte er nicht, das konnte er nicht. 1996/97 rettete er dem FSV Zwickau den Zweitliga-Klassenerhalt, danach zog der Trainer Streich einen Schluss-Strich und verkaufte nach einem Abstecher zu Nike in einem Magdeburger Fachgeschäft bis zum Eintritt ins Rentenalter Sportschuhe.

Er blieb mit Menschen in Kontakt - und fühlte sich lange fit genug, um in der Traditionsmannschaft des 1. FC Magdeburg am Ball zu bleiben. Als war-Kolumnist stand er jahrelang für klare Kante. "Ich", sagt Joachim Streich, "hatte eine wunderbare Zeit im Fußball." Und der Fußball viele ganz wunderbare Momente durch ihn.

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